| Das Bangkok Komplott |
| Deegan am 27.06.2007 | ||||||
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Aus der Suite 1110 im zehnten Stock dröhnte thailändische Musik durch die Tür, verursacht durch aufgedrehten Fernsehlautsprecher. Das kühle Nass aus der Dusche prasselte auf meine noch verschwitze, klebrige Haut. Ich sang, ohne den Text und die Melodie zu kennen mit. Mir war einfach danach und irgendwie fühlte ich mich gut dabei. Nach einer kurzen Abkühlung drehte ich das Wasser wieder wärmer. Kalte Umgebung mag ich nicht. Nachdem meine Finger schon faltig vom Wasser waren, stieg ich aus der Dusche. Ein Abtrocknen war nicht nötig, denn die Umgebungstemperatur im Zimmer trocknete mich innerhalb weniger Minuten. Der Raum war nicht vorgekühlt und so hatte die Klimaanlage mit der Wärme zu kämpfen. Ich streifte mir eine Jeans über und überprüfte den Safe der Suite, obwohl ich nicht viel für ihn hatte. Die Euros steckte ich unter die Sohle in meinem Asics Turnschuh und die 100.000 Baht aus dem Geldautomaten steckte ich in meine vordere Jeans Hosentasche. MTV war der Standardkanal. Ich fühlte mich ziemlich erschöpft, als ich frisch geduscht aufs Bett sank und durch die restlichen 150 Kanäle zappte. Die meisten waren in Büroklammer. Einige von ihnen schienen Lokalnachrichten zu bringen und natürlich gab es CNN und BBC. Wie schön war es zu sehen, dass die heutigen thailändischen Hausfrauen den gleichen, leicht übertriebenen Gesichtsausdruck hatten wie Ihre Kusinen aus den Midlands, wenn sie sahen, wie ihre verdreckten Jungs hereinkamen, und dass so etwas wie Meister Proper in Büroklammer auch bei ihnen alle Probleme löste. Nur guckten sie mit aufgerissenen schlitzigen Augen. Ich ließ dann einen Büroklammerkanal laufen und blickte zur Decke, als sich meine vor Müdigkeit brennenden Augen schlossen. Die Sonne brannte mir auf Schultern und Kopf, während im Fernsehen Spongebob mit Patrick in Mülltonnen Verstecken spielte. Die Stimmen passten mit denen, die ich kannte, nicht überein. Spongebob klang wie Prince in Büroklammer. Als ich mich nach Vorne beugte und auf der Bettkante verharrte, war ich genauso benommen wie Spongebob, der nun mit der Müllabfuhr abtransportiert wurde. Ich blickte auf meine Baby-G: Sonntag, 15:11Uhr. Ich war tatsächlich eingeschlafen. Ich war außer Übung. Ich dachte, ich könnte den Jetlag durch einen Flug in der Business Class und mit einer Schlaftablette kompensieren, aber dem war wohl nicht so. Nach einigen Minuten raffte ich mich auf, verschwand kurz im Bad, zog mir ein weißes Hemd, passend zur beigefarbigen Cargohose an und stieg in meine Asics. Es war immer wieder ein schönes Gefühl, ein Hotelzimmer wie eine Rumpelbude zu verlassen, um es dann geschniegelt wieder vorzufinden. Beim Verlassen der Suite hing ich „Make up room“ an den Knauf und schlenderte mit einem seelischen Grinsen den Flur entlang zum Fahrstuhl.
Es war keine schwere
Entscheidung, meinem Manager „goodbye“ zu sagen. Ich hatte nie herausgefunden,
was er bei uns im Business nun genau managte, aber eigentlich war es mir scheißegal.
Er war in Europa mit einer der Dienstältesten in der „Organisation“. Er war nun
mal für uns alle der Boss, wenn es um Business und persönliche Belange ging. Vor
etwa drei Wochen saß ich vor seinem Schreibtisch und erwähnte, dass ich nach
dem langen Jahr mal Lust auf etwas Erholung habe. Ich erwartete, dass er eine
seiner bissigen Antworten gab, in der Art von: Der Alltag hier auf Mallorca würde also ohne mich weitergehen. Mallorca war für mich weder Zuhause noch Urlaub. Es war für mich ein idealer Platz für mein Business. Das Zuhause-Gefühl hatte ich weder in Deutschland, noch in irgendeinem anderen Land der Welt gefühlt. Daher gab es für mich nur Business- oder Urlaubslocations. Ich ging durch den Haupteingang nach draußen auf den großen Wendehammer zu. Direkt vor dem Peninsula standen ein Rolls Royce Phantom und ein alter Bentley. Ich entschied mich trotzdem für das Taxi, welches gerade mit einem Gast hielt. Ich nannte dem Fahrer die Sukhumvit Road, Soi 4. >> Nana, Nana! << sagte der Taxifahrer, setzte das Auto in Bewegung. Nachdem wir auf die Hauptstrasse abbogen, bemerkte ich, dass ich immer noch nicht das komische Gefühl beim Linksverkehr verloren hatte. Wir kamen nur im Kriechtempo voran. Überwiegend fahren hier Roller, Tuk-Tuks und Taxis. Autos wie sie bei uns das Straßenbild zieren, sieht man hier selten. Bangkok ist eine eindrucksvolle, lebendige und sehr kontrastreiche Stadt, in der Blechhütten neben pompösen Wolkenkratzern stehen. Überall laufen Thais und hier und da tauchen schon die ersten Schulmädchen in den schnieken Uniformen auf. Auch die Jungs tragen Schuluniformen. Einige nahmen der coolness halber die schwarze Krawatte ab und zogen das weiße Hemd aus der Hose. Die Strassen waren immer noch voll gestopft mit Verkehr und das Taxi stand mehr, als dass es fuhr. An den roten Ampeln waren große, digitale Counter angebracht, die die Ampelphasen in Sekunden herabzählten. Rot war es meistens 1 Minute und 30 Sekunden und grün nur 30 Sekunden. Irgendwie geht die Rechnung nicht auf, dachte ich. All die Eindrücke und der misslungene Rechenversuch ließen die Taxifahrt wie im Fluge vergehen. Ich ließ den Taxifahrer bereits an der Ratchadamri Road stoppen. Ein knapper Kilometer trennte mich noch von meinem Ziel. Ich schlenderte auf dem Gehsteig entlang und sah dabei auf die Karte, die ich an der Rezeption bekommen hatte. Alle anderen auf dem Bürgersteig waren entweder Einheimische oder dunklere Leute die wahrscheinlich aus Malaysia kamen. Es war 18:28, und es herrschte weitaus mehr Verkehr, als ich ihn aus London, Paris oder Palma gewohnt war. Die vielen Taxis kamen hier gar nicht mehr voran. Die Rollerfahrer drängelten sich dazwischen bis zur Haltelinie einer Ampel. Auf einmal überkam mich in dieser völlig fremden Welt ein angenehmes, geborgenes Gefühl. Ich hatte irgendwie den komischen Eindruck, als wenn ich in diesem Land daheim wäre. Komisch, denn eigentlich war ich noch nie irgendwo daheim, dachte ich. Spanien ist schön, aber das ist nicht mein Zuhause. Dort wohne ich nur. Selbst in München, in der Stadt, in der ich geboren bin, hatte ich nie den Eindruck, daheim zu sein. Auch wenn ich nach monatelanger Pause wieder hinreiste, überkam mich kein Zuhause-Gefühl. Ich versuchte, meine Gedanken zu unterdrücken, während ich an einer Reihe von unzählig vielen Geschäften stoppte. Mein Mobilphone steckte tief in meiner Hosentasche und ich brauchte etwas Zeit, um es aus der Hose zu ziehen. DTAC hieß das Netz hier. Dann tippte ich eine SMS: Schönes Wetter in Bangkok und schickte sie an Nit. Ich bekam sofort ein das glaub ich erst, wenn ich es seh. Wo steckst Du denn? als Antwort, und löschte es mit einem Schmunzeln. Nit arbeitete vor ein paar Jahren als Kellnerin in einem in einem thailändischen Restaurant im Herzen Münchens. Das Restaurant war wie kein anderes, denn ab 23 Uhr abends schoben die Kellner die Tische zur Seite, karrten große Boxen heran und verwandelten es in eine Disco. Der DJ spielte dann einen thailändischen Hit nach dem anderen. Manou´s Bruder schleppte uns vor Jahren da mal rein und ich verliebte mich noch am selben Abend bei dieser unvergleichlichen Stimmung der Asiaten in deren Kultur. So kam es, dass ich von da an öfters mit den Thai´s bis sechs Uhr morgens feierte. Nit freute sich immer, wenn ich kam, denn ich war einer der wenigen Europäer, die von diesem ungewöhnlichen Restaurant wussten und deren Umgangsformen respektierte. Wir verbrachten viel Zeit miteinander und bis ich Deutschland verließ, wurden wir enge Freunde. Sie ging kurz darauf wieder nach Thailand und wir hielten uns mit gelegentlichen SMS auf dem neuesten Stand. Wenn ich Menschen zu meinem Inner-Circle zähle, kann die Distanz noch so groß sein, für mich gehören diese Menschen zur Familie. |
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