| Das Bangkok Komplott |
| Deegan am 27.06.2007 | ||||||
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Die Menschenmassen nahmen langsam zu und es sah nach einem bevorstehenden Riesenevent aus, als ich den Nana Place am Soi 4 betrat. Es dämmerte langsam und die vielen knalligen Leuchtschriften zogen meine Blicke auf sich bis ich registrierte, wie viele Frauen sich hier befanden. Es waren hunderte. Insbesondere europäische Männer tummelten sich hier an den vielen Bars. Sie waren den Thai-Girls gegenüber hier ganz klar in der Unterzahl, vielleicht 20 zu 1 dachte ich. Gaffer hatten tausende von Kilometern zurückgelegt, um sich dies hier anzusehen. Hier gab es unzählige Discotheken und Showbars zusammengepresst auf mehreren Etagen in ein einem alten Wohnkomplex in U Form. Irgendwie hatte Nana etwas western-artiges. Vielleicht liegt es daran, dass hier alles aus Holz gebaut ist, vielleicht auch daran, dass sich hier Europäer einfach das nehmen, was sie wollen. Es war weit und breit kein Sheriff in Sicht. Ich fragte mich wer auf die vielen Mädels aufpasste - vermutlich niemand. Arme Nit, dachte ich und sofort schoss mir der Gedanke in den Kopf, mich als Contractor für Personenschutz am Nana Place anheuern zu lassen. Wie abstrakt der Gedanke, obwohl es zumindest ein sicherer Job wäre.
Ich näherte mich dem Zentrum Nana´s. Zumindest wäre es eine ideale CQB Airsoft
Location hier. Schön verwinkelt das Ganze. Die leicht bekleideten Mädchen
rissen mich aus meinen Gedanken, während sie mir irgendetwas in freundlicher
Büroklammer Stimme zuriefen. Manchmal
ergriffen sie sanft meine Hand, um mich in eine der leuchtenden Bars zu
ziehen. Ich ging jedes Mal mit einem höflichen Lächeln, aber sehr bestimmt
weiter. Nit stand auf der Veranda und servierte einem rothaarigen, älteren Mann
ein Getränk. Nur wenige Meter trennten uns. Sie hatte immer noch wunderschönes, langes Haar und eine makellose, gebräunte Haut. Schon vor Jahren hab ich sie auf 18 geschätzt, was ihr schmeichelte, da sie 24 war. Sie sah immer noch unverändert jung aus. Sie trug eine verwaschene Jeans und ein weißes Tank-top. Sie legte Handfläche an Handfläche, verbeugte sich und sagte dabei in Büroklammer >> Sawadekha <<. Auch ich verbeugte mich und versuchte, Ihr nachzusprechen, was mir nicht gelang. Sie lachte dann freundlich und auf ihrer Schulter spitzelte ihr kleines Tatoo unter dem Top hervor, als wir uns dann lang umarmten. Ich fühlte mich zu ihr hingezogen und ich spürte das gleiche von ihr. Sicherlich ist sie auch immer noch Single, dachte ich. Sie ließ etwas nach >> So genug jetzt, ich geh jetzt wieder an die Arbeit << sagte sie und drückte mich nun noch länger und fester. Nit ist eine liebe, wumslige Biene, die immer einen frechen Kommentar parat hat. Irgendwie wusste ich noch nie eine passende Antwort auf ihre kleinen Sticheleien und grinste dann einfach immer freundlich oder fuhr mit einem völlig anderen Thema fort. >> Wo möchtest Du Silvester verbringen? <<
Nit öffnete ihre flachen
Augen, größer als ich es mir vorstellen konnte und guckte mich fragend an, als
wenn ich mich eben in einen fliegenden Kühlschrank verwandelt hätte. >> Silvester?!
<< wiederholte ich und wunderte mich, dass Nit mit dem Wort nichts
anfangen konnte, lebte sie doch längere Zeit in Deutschland.
>> Das Datum 31.12.
ist für uns unbedeutend, wir feiern das eigentliche Neujahr erst später
<< sagte sie und reichte mir einen Pappbecher mit viel Eis und einem
gelben Strohalm. Mit einer schnellen Bewegung schüttete ich das Eis auf den
Boden, als mir „Vermeiden sie den
Konsum von Eis im Einsatzland“ durch den Kopf schoss. Mein
ehemaliger Ausbilder, Oberfeldwebel Pfeiffer, hat mir seinerzeit unzähligen
Tipps zum Besten gegeben. Auch heute fallen mir alle immer noch blitzartig ein.
Das Zischen der Dose riss mich aus dem Tagtraum >> das ist gefrorenes
Mineralwasser << sagte Nit >>Du trennst Dich wohl nie von Deiner
Vergangenheit<< fuhr sie fort und schenkte mir respektvoll die Light in
dem Pappbecher.
Mir blieb keine Zeit, mit
den Schultern zu zucken, bevor mich eine Druckwelle
ergriff, untermalt von einem ohrenbetäubenden Schlag. Die Druckwelle war glutheiß und mir brannte das Gesicht vor Wärme. Ich kniff meine Augen zu, griff
nach Nit und zog sie zu Boden. Meine Lippen fühlten sich an, als wenn sie jeden
Moment platzen würden und meine
Ohren hatten sofort ein lautes Tinnitus Pfeifen.
Ich kauerte mich am Boden zusammen und drückte beide Handflächen an die Ohren,
dennoch hörte ich schreiende Menschen
und hupende Autos. Als ich meine
Augen wieder öffnete, konnte ich nicht einmal die Hand vor Augen sehen, so
staubig war es. Überall kreischten Menschen. Ich versuchte mich zu orientieren,
zog es aber vor, zunächst in der Kauerposition zu bleiben. Die Straßenbude hat es umgeweht wie ein Kartenhaus. Der Asiate kauerte immer noch hinter der noch stehenden Theke und der Po guckte aus der Hose. Der Staub hatte sich etwas gelichtet. Mittlerweile war überall Sirenenlärm zu hören. Im Sekundentakt fuhren Einsatzfahrzeuge an uns vorbei und überall registrierte ich das blaue Einsatzlicht. Mehrere Lichter sammelten sich etwa hundert Meter entfernt von uns an einem Brückenpfeiler. Die Polizei sperrte kurzerhand die Straßenseite am Brückenpfeiler und gab per Megaphone die Anweisung, dass sich jeder sofort in sein Appartement begeben sollte. Die ersten Taxen krochen langsam wieder die Straße entlang, als sich der Staub weiter legte. Die Menschen waren wie wild davon besessen, sich sofort ein Taxi zu suchen, um schnellstmöglich nach Hause zu kommen. Alle wollten auf einmal weg.
Nit sah aus, als wenn sie sich in Asche gewälzt hätte. Grau von unten bis oben. Ich hatte das dumpfe Gefühl,
dass ich genauso aussah, als ich mir mit der Zunge über die staubige Lippe
fuhr. Keines der Taxen hielt, als ich mit den Fingern pfiff. Wir waren nur zwei von vielen, die jetzt
das Feld räumen wollten.
Es staubte aus dem Fond
des Taxis, als der Hotelpage die Hintertür öffnete. Der hat mit mir wohl den facettenreichsten Gast in seiner Karriere,
dachte ich mir, als ich in sein Gesicht blickte, während ich grau wie ein
Maulwurf ausstieg. Er ließ sich nichts anmerken und irgendwie war es auch
besser so. >> Guten Abend Sir, guten Abend Madame.<<
>> Fragen Sie nicht,
was da eben passiert ist! Die Suite 1110, bitte.<< sagte ich zur
Rezeptionistin.
Als ich wieder nach oben
blickte, stand schon der Zimmerpage mit einem freundlichen Grinsen vor mir.
>> Darf ich die Herrschaften zur Suite geleiten? << Er sah aus wie
ein minderwertig dekorierter Marine mit
einer schnittigen Uniform. Es fehlte lediglich die Schirmmütze.
>> Ich mach mal den
Fernseher mit den Lokalnachrichten an.<< sagte Nit. >> Vielleicht
kommt was über den großen Knall eben.<<
Ich fragte Nit nach ihrem
Getränkewunsch, aber Sie wollte erstmal duschen. << Gut so >>
dachte ich. So nahm ich mir einen Mangosaft und ließ mir das kühle Nass über
die Zunge laufen und stellte den Mangosaft auf den Nachttisch. Der Hunger war
wie weggeblasen. Aus der Dusche hörte ich, wie Nit eine asiatische Melodie
summte und das Wasser auf ihren Körper prasseln - mir
kam es wie eine Ewigkeit vor. Ich guckte aus dem Fenster nach Bangkok und
erkannte aus dem Zentrum Rauch und verharrte. >> Ob das die Stelle von
eben war? << dachte ich und starrte weiter in die Richtung.
Ich legte mich auf das
aufgeschlagene Bett, guckte zur Decke und relaxte ein wenig... Nit schlief schon, als ich auf die andere Seite ins Bett kletterte. Es sah irgendwie süß aus, wie die Kleine in diesem riesigen Bett verschwand. Ich warf noch einmal einen Blick zum Fernseher und wollte gerade abschalten, als der Sender live Nachrichten aus Bangkok brachte. Die Kamera zeigte einen Reporter, der schnatterte, und ein Polizist beantwortete im Anschluss mehrere Fragen. Am unteren Bildschirmrand erschien eine Laufschrift in Büroklammer und fasste vermutlich die neuesten Nachrichten zusammen. Und dann hämmerte mein Herz, als die Kamera auf eine glänzende Blutlache zoomte und ich im Hintergrund den Brückenpfeiler mit der umgewehten Straßenbude erkannte. Wir waren nur wenige Meter von diesem Unglück entfernt gewesen.
Die Kamera zoomte auf
mehrere liegende Passanten. Vermutlich waren sie schwer verletzt. Nun wurde
eine Landkarte eingeblendet mit unzählig vielen roten Explosionssymbolen.
Anscheinend handelte es sich hier um eine Reihe von Anschlägen über das Land
verteilt, dachte ich mir. Dann wechselte das Bild ins Studio, wo die
Nachrichtensprecherin einige Worte sagte. |
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