| Tropical Rain (Teil 1) |
| Manou am 16.07.2009 | |
Dubai, 18:45 Ich nahm ein paar Gummihandschuhe aus dem Handschuhfach und streifte sie mir in der trockenen Abendhitze über. Diese staubige, verlassene Fabrik sah nicht gerade gemütlich aus. Kakerlaken, so groß wie die Protagonisten aus Joe's Apartment, krabbelten über die Ausrüstung. Sixblade kletterte durch das zerbrochene Fenster mit zwei Glatzköpfen im Schlepptau. Ich hatte keine Lust mir den Kopf mit Kopfschmerzen voll zu pumpen, ob die beiden von der Fremdenlegion oder einfach nur billige Söldner waren. Deegan hatte schon ein paar Wochen zuvor die Ausrüstung in die Emirate geflogen und dort die Helfer rekrutiert. Weiter Informationen folgten, wie gewöhnlich, erst ein paar Tage nachdem wir im Auftragsland angekommen waren. Es gibt immer Loser, diesmal waren es iWiLL und ich selbst, denn Sixblade, der schlaue Fuchs, war schon 4 Tage vor uns eingetroffen.
Wir hatten also nun die zwei Glatzköpfe an der Backe. Der eine sah aus wie 176-671 von den Panzerknackern, der andere wie Kojak, nur blutjung. Alle guckten betört als Spitfire die Auftragsskizze abfackelte. Ja Bingo, dachte ich mir, wir müssen als nicht eingespieltes Team den Job erledigen. Beim checken der Ausrüstung sah ich alle Dinge, die sich ein angehender Einbrecher nur wünschen konnte. Von Dietrich Sets über die 10kg Axt, Schneidbrenner (thermal lance), Haken und Spannern bis hin zu kleinen LED Taschenlampen (iWiLLs Lieblingssextoy, nur so am Rande) und Türstoppern aus Gummi. Ich blickte zum zerbrochenen Fenster. Unser zwei Glatzköpfe hatten als Fluchtwagen einen Mitsubishi Pajero 4x4 in dunkelblau dabei. Der Auftrag war simpel. Laut Sixblades Daten sollten wir irgendwie über die Mauer, einbrechen, Safe öffnen, alle Informationen mitnehmen und dabei keine DNA Spuren hinterlassen.
Ja, warum machen eigentlich nicht Sixblade und Deegan diese sogenannten kleinen Aufträge selbst? Oder zumindest sie und ein paar von diesen billigen, kahlgeschorenen Handlangern. Das Objekt war nur einen Katzensprung von der alten Fabrik entfernt. Wie immer wurde nicht viel gesprochen, nur geposed. Als iWiLL, ich und die Glatzköpfe kurze Zeit später vor dem Zielobjekt im Gebüsch lagen, kamen folgende Fakten dazu. Die zwei Glatzköpfe waren sehr jung so Anfang 20. Eigentlich gute Jungs, die für diese Mission verheizt werden sollten - es ist in jeder Sprache das Gleiche. Da sah ich es wieder, wie die Falten in iWiLLs Gesicht zurückkehrten. iWiLL sagte: "Zum Teufel mit dem scheiß Geld, ich sollte einen australischen Orden für diese Sache bekommen!" Ich war es gewohnt, dass man sich, so kurz bevor es losging, mit Schwachsinn beschäftigte. Mir war der Bullshit, den die Jungs immer abließen egal. Ich war zufrieden, solange es nicht zu heiß oder zu kalt war. In Gedanken war ich schon beim Urlaub, der dem Auftragen folgen sollte, natürlich nur, wenn wir nicht gleich das Land auf dem Fußwege verlassen müssen. Wird schon schief gehen. Gott sein Dank war es nur ein kleiner, relativ einfacher Auftrag, um - wie soll ich sagen - den anstehenden Urlaub zu finanzieren. Ich fragte Panzerknacker und Kojak, die super konzentriert bei der Sache waren, nach dem obligatorischen Plan B um sofort an ihren Gesichtern zu lesen, dass es den offenbar nicht gab. Ich hätte mir eine schönere Antwort gewünscht. Danke Sixblade, wieder mal alles in Butter, astreine Planung, nur weiter so!
"iWiLL, ich hab da mal eine Frage: Wieso wird Sixblade Mr. Panzerfaust genannt?" Ich liebe so unverblümte Fragen, völlig aus dem Zusammenhang, besonders in so einer angespannten Stimmung, kurz vor dem Auftrag, wenn alle weiche Knie haben. Keine Antwort. Panzerknacker und Lollilutscher hatten nun aufgerissene Pupillen und erwarteten wahrscheinlich, dass der gute alte Sixblade seine Einbrüche bei helllichtem Tage mit der Bazooka erledigt. Ich hatte den Eindruck, dass die beiden, genauso wie wir, Angst vor Sixblade hatten. Psychotische Waffennarren sollte man eigentlich nicht zu seinem Freundeskreis zählen. Wobei Deegan schon in die Sparte unberechenbar fällt. Panzerknacker blieb zurück, er sollte warteten bis wir an der Mauer ankamen, danach sollte er den Pajero vor dem Haupteingang in Stellung bringen. Der Rest der Truppe schlich los.
Der kleinere von den Glatzköpfen sollte mittlerweile schon den Motor gestartet haben, so war es dann auch. Als wir die Ausgangstür aufstießen waren 21 Minuten vergangen und die Mission abgeschlossen. Ein paar Sekunden später saßen wir alle im Pajero und konnten uns aus dem Staub machen. Sixblade gefiel das sehr, sein Lächeln war so breit wie der Flughafen. Wir trennten uns, da Spitfire und ich die Ausrüstung verschwinden lassen mussten. Wir sollten den Rest der Truppe am Flughafen treffen. iWiLL rief uns nocht nach: "Spitfire bring einen Feldstecher mit!" Sixblade lachte herzhaft und fügte im Salzburger-Dialekt hinzu: "Ja und vergesst Filpflops und Sexualschutz nicht!" War ja klar das der Klügste von uns, Spitfire, sich im Vorfeld impfen lies (Aids) und bestimmt für 280 Dollar Medikamente dabei hatte. Es zahlt sich also aus, wenn man aus Erfahrung lernt. (...während ich und Deegan nicht mal auf einer Schule waren, abgesehen von der Militärschule) Bangkok, 11:25 Kaum angekommen erschlägt einen die Hitze und die freundliche Asiaten. Kaum auszumalen wenn die Menschen bei uns nur für eine Stunde so wären. Dann gäbe es keine Arbeit für so Leute wie uns. Die Hitze brachte mich zum nachdenken. Eigentlich denke ich ja immer irgendwas. Spitfire hatte auch mal ein reines Frauen Camp ausgebildet. Ob da wohl die Bezahlung so gut war? Schade, dass Michael Jackson verstorben ist, aber ich vertreibe ab nächster Woche "Best of Michael" auf Blu-ray, ist bestimmt eine Marktlücke. Deegan übrigens auch... Ich glaub es war vor 10 Jahren als wir auf Mission waren im nahen Barcelona, wir fanden einen Papagei bei einem Observierungsjob und Deegan setzt sich das Viech auf die Schulter und machte so einen auf Käpt'n der Piraten Insel - humpelte, grölte, spielte und äffte verdammt gut nach. Plötzlich gab es einen ohrenbetäubenden Knall. Es war Sixblade, der ohne Vorwarnung den Papagei von der Schulter geschossen hatte. Während das Federvieh zu Boden segelte, setzte er noch zwei Kugeln nach. Ich wollte in der gleichen Sekunde schon ein Foto machen. Seit dem Vorfall hab ich einen riesen Respekt vor Sixblade. Sixblade ist verdammt schnell mit seinem .45er, müsste man fast in Zeitlupe anschauen.
Während wir auf unsere Koffer warteten – Deegan ist der einzige, der wirklich immer nur mit Handgepäck reist. Spitfire würde mit seinen Ampullen und Pillen nie durch die Sicherheitskontrollen kommen und Sixblade geht sowieso ohne sein halbes Waffenarsenal nicht einmal zum Milch holen um die Ecke - langweilte mich Sixblade mit seinem Gesundheitstrip. Wenn ich mich noch recht erinnere war das alles so: "Die Menschen in den Industrienationen haben mehr Angst vor Eiweißmangel als vor dem Tode. Das Problem ist aber ein ganz anderes, Manou, es ist die Gefahr, zu viel Eiweiß zu bekommen. Die ist viel größer als an Eiweißmangel zu leiden. Zuviel Eiweiß ist genauso gefährlich wie zu wenig. Vielleicht waren noch nie so viele Leute verwirrt über ein Gebiet, von dem sie so wenig wussten. Eiweiß ist der kompliziertest aller Nährstoffe, seine Assimilation und Verwertung sind äußerst schwierig. Beim Verzehr von Eiweiß wird mehr Energie für die Verdauung benötigt als bei jeder anderen Nahrung..." Da unterbrach Deegan: "Hallo Herr Professor, kannst das auch auf Thai noch mal erklären?" Da war wieder die Erinnerung an den weggeknallten Papagei, Sixblade ist und bleibt ein unberechenbarer Faktor. Das wird hier noch was mit der Truppe, puh, ein Glück, dass wir alle so grundverschieden sind.
Vom Flughafen bis ins Zentrum benötigt man um diese Zeit gut eine Stunde, der Verkehr in Bangkok ist eigentlich immer kurz vor dem Infarkt, die Stadt leidet unter permanenter Verkehrsverstopfung. "320 Baht und gut!" zischte iWiLL den beiden Taxifahrern zu. Die beiden realisierten schnell, dass es nicht weiter sinnvoll war mit ihm über den Preis zu feilschen. "JW Marriot Sukumvit Road" befehligte iWiLL dem Fahrer, doch dieser starrte nur leer in den Rückspiegel. "JW M a a r i o o t – S u u kumv i i t" wiederholte iWiLL in Slowmotion. Noch immer nichts, nur der leere Blick des totalen Unverständnisses. "Nana Plaza" fügte iWiLL hinzu. "Ahh, Nana Plasaa, Nana Plasaa” wiederholte der Taxifahrer kopfnickend. Ein glückliches Lächeln füllte das bis dahin starre Gesicht mit Leben. "Nana Plasaa, Nana Plasaa" wiederholte er ein weiters mal. "Ja, Nana Plaza" bestätigte iWiLL entnervt. Die gasbetrieben Motoren der beiden Taxis wurden angeworfen und unser quietsch buntes Gespann setzte sich Richtung Bangkok Downtown in Bewegung. weiter zum zweiten Teil.. Kommentare (2)
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